"Die Liebe und die Leidenschaft zum Holz wurden von meinem Vater geprägt."
(Alois Hermann, aus dem Buch "Savoir faire - faire savoir....")
Handwerk: Als Kinder sassen wir im Winter um
den Küchentisch. Eine Nachttischlampe spendete zusätzlich warmes
Licht. Der Vater schnitzte Wappenteller oder Füllungen für ein
Buffet wie z.B. "die vier Jahreszeiten". Er bearbeitete vorzugsweise
Nussbaum.
Mein Werkzeug ist jedoch nicht der Stechbeutel, sondern die Axt oder die
Motorsäge. Damit will ich markante Volumen setzen und aus dem Stamm
herausholen. Gelernt habe ich immer, indem ich jemandem auf die Hände
schaute oder über die Schulter guckte. Auch später an der Kunstgewerbeschule.
Gestaltung: Meine Skulpturen sind Ausdruck von
Begegnungen. Thema meiner Auseinandersetzung war immer die menschliche
Gestalt beziehungsweise die Existenz des Menschen. Mir ist es wichtig,
dass die Figuren eine Seele bekommen. Dass sie ein Eingenleben haben. Für
mich muss die Figur eine
Überraschung sein, sie muss ein Geheimnis in sich tragen, ich suche
das Wesenhafte in einer Figur. Darauf richte ich meinen Kompass. Wie ein
Echolot folge ich dieser Spur. Dabei geht es mir nicht um ein genaues Abbild
im Äusseren, sondern um innere Resonanz und emotionale Betroffenheit.
Es braucht Entschiedenheit im Umgang mit der Motorsäge. Der Prozess
der Formbildung beinhaltet für mich, an der Grenze zu gehen zwischen
dem Zerstören (Wegnehmen) und dem Finden der Form. Es ist mir, als
falle ich haltlos in die dunkle Nacht hinein, in dieses Nichts. Ich kann
mich nur auf meine Hände verlassen und darauf vertrauen, dass sie
mich ans Ziel bringen. So werde ich immer wieder selber überrascht.
Oft hat mir dieser Zustand sehr Angst gemacht.
Tradition: Schon immer haben mich romanische Kirchen mit ihren expressiven Skulpturen und Kapitellen in ihren Bann gezogen. Später waren es gotische Kathedralen. Vor Holzplastiken von Riemenschneider habe ich grossen Respekt empfunden. Später begegnete ich dem Werk von Ernst L. Kirchner mit seiner expressiven Art iwe auch afrikanischen Holzmasken. Vieles mehr hat mich geprägt. Ich erlebe mich heute in meinem Schaffen nicht mehr in eine Tradition oder Gemeinschaft eingebunden, wie dies z.B. in einer Bauhütte im Mittelalter gelebt wurde. Dennoch gibt es nach meinem Empfinden ein Wissen, das sich weiterzieht wie eine Perlenkette.